Gute Fotos und Röntgenbilder

Ein Artikel von Tina Gottwald

Ein nicht zu vernachlässigender Teil einer guten Hufbearbeitung ist eine aussagekräftige Dokumentation mit Hilfe von Fotos. Diese erlauben es, Veränderungen von Hufform und Stellung objektiv über einen längeren Zeitraum nachzuvollziehen. Hiermit kann z. B. der Erfolg der Hufbearbeitung kontrolliert werden und Fehlentwicklungen können leichter erkannt werden.

Fotos

Zum Anfertigen der Fotos benötigt man einen ebenen, sauberen und befestigten Untergrund. Die Hufe sollten gründlich gereinigt werden und das Pferd anschließend in entspannter Haltung aufgestellt werden. Falls das Pferd starken Behang hat, sollte dieser hochgebunden werden. Auch wenn das Pferd beschlagen wird, fertigt man die Fotos am besten noch im unbeschlagenen Zustand an. Zur Dokumentation benötigt man mindestens:

Optional, insbesondere bei problematischen Stellungen jedoch sehr nützlich ist die Ansicht über die Ballen und eine seitliche Ansicht der Wölbung.

Um gut interpretierbare Fotos zu erhalten, sollten diese möglichst frei von Verzerrungen sein. Dies wird erreicht, indem mit einem Normalobjektiv fotografiert wird. Bei Kompakt-Digitalkameras wird dazu ein Abstand von etwa 70 cm zwischen Kamera und Huf gewählt. Um den Huf bildfüllend abzubilden, wird das optische Zoom der Kamera verwendet. Handykameras besitzen i.d.R. kein optisches Zoom, das Software-Zoom ist lediglich eine nachträgliche Ausschnittsvergrößerung. Ist der Abstand ausreichend groß, um Verzerrungen zu vermeiden, ist die Auflösung im Bereich des Motivs dann häufig gering, d.h. „pixelig“. Wenn irgend möglich sollte daher mindestens eine Kompaktkamera verwendet werden. Um perspektivische Verzerrungen zu vermeiden, wird die Kamera möglichst senkrecht zur jeweiligen Ansicht ausgerichtet. Dies bedeutet insbesondere, die Kamera für die frontalen und seitlichen Aufnahmen am Boden abzustellen. Fotos schräg von oben sind zur Beurteilung der Hufe völlig unbrauchbar.

Abbildung 1 illustriert die Verzerrung durch eine ungünstige Kameraperspektive. Wird kein Zoom und ein kleiner Abstand (ca. 20 cm) zum Huf verwendet, erscheint der Block unten deutlich breiter als oben. Leider wird intuitiv meist mit diesen Einstellungen fotografiert. Deutlich bessere Ergebnisse erhält man, wenn man den Abstand auf etwa 70 cm vergrößert und das Zoom der Kamera verwendet. Nun erscheint das Motiv ohne Verzerrungen. Am Huf können verzerrte Fotos die Interpretation ganz erheblich erschweren.

Schließlich sollte auf vernünftige Lichtverhältnisse geachtet werden. Am günstigen ist Tageslicht ohne starke Schattenbildung oder Gegenlicht.

Auf diese Weise erhält man aussagekräftige Fotos der Hufe. Diese sollten je nach Anforderung (Korrekturbedarf oder reine Routinebearbeitung?) in regelmäßigen Abständen von ca. 8 Wochen bis 1 Jahr aufgenommen und sorgfältig archiviert werden.

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Dasselbe Motiv mit zwei Kameraeinstellungen: Links Abstand 20 cm, Weitwinkel, Rechts Abstand 70cm, Normalobjektiv.

Röntgenbilder

Für Röntgenbilder, die zur Beurteilung der Hufgesundheit (insbesondere auch zur Diagnose bei Hufrehe) aufgenommen werden, sollten die folgenden Kriterien beachtet werden:

Zuletzt wird der Huf entsprechend der Fragestellung markiert. Hierzu eignet sich Lötzinn, der z. B. eng anliegend auf die Zehenwand aufgeklebt wird oder in die Strahlfurchen gelegt wird.

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Skizze zur Anfertigung einer Röntgenaufnahme des Hufs

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Röntgenblock mit Metalleinlage

Ein solcher Block lässt sich leicht aus Materialien, die in jedem Baumarkt erhältlich sind, selbst herstellen: Da 5 cm dicke Platten selten erhältlich sind, zwei dünnere in passender Größe ausschneiden lassen und mit Dübeln und Leim verbinden (keine Metallschrauben). Ca. 6 - 8 cm vom Rand entfernt (etwa halber Hufdurchmesser) eine Rinne hineinsägen und darin eine schmale Metallleiste (dick genug, dass sie sich nicht verbiegt, d.h. Draht eignet sich nicht) bekannter Länge bündig mit der Oberfläche einlassen. Beim zweiten Block für den gegenüberliegenden Huf kann auf die Metalleinlage verzichtet werden.

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Zweckmäßige Röntgenaufnahme eines gesunden Hufs mit Messung der Hufbeinsenkung (rot) der Wanddicke (gelb) und der Hufbeinlänge (blau).

Röntgenbilder, die nach dieser Anleitung angefertigt wurden, eignen sich in Zusammenarbeit mit dem Tierarzt gut zur Beantwortung folgender Fragen:

Der palmare Winkel (Vorhand) beträgt normalerweise etwa 5 - 10° (Mansmann). Der plantare Winkel (Hinterhand) wird in der gängigen Literatur nicht gesondert betrachtet, nach eigenen Beobachtungen ist dieser üblicherweise etwa 0 - 5° (Für diesen Winkelbereich spricht unter anderem, dass die Herstellung eines bodenparallelen Hufbeins mit Hilfe der Strasser-Methode bei fast allen Pferden an den Hinterhufen ohne Hufverformung möglich ist. An den Vorderhufen verbiegt sich bei dem Versuch hingegen meist die Zehenwand massiv.). Ein sehr steiler palmarer/plantarer Winkel tritt bei Bockhufen oder Hufrehe (Rotation) auf. Ein negativer Winkel ist unphysiologisch und wird durch falsche Hufbearbeitung oder einen instabilen hinteren Hufbereich verursacht [Taylor 2014]. Die Parallelität von Hufbeinrücken und Hufwand ist sehr leicht zu erkennen. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, ob und wie hoch die Hufwand von außen beraspelt wurde. Hierdurch kann trotz vorliegender Hufbeinrotation mit zerstörter Blättchenschicht eine scheinbare Parallelität auf dem Röntgenbild erreicht werden.

Für eine gesunde Sohlendicke existieren nur sehr eingeschränkt Referenzwerte (Hampson 2011). Üblich sind bei mittelgroßen Pferden etwa 8 - 12 mm. Werte unter 5 mm sind höchstwahrscheinlich kritisch bezüglich Fühligkeit und Sohlenprellungen.

Mit Einschränkungen kann die Position der Hufbeinoberkante relativ zum markierten Kronrand X (Abb. 4, rot) in Kombination mit der Dicke der Zehenwand Y (Abb. 4, gelb) zur Diagnose einer Hufbeinsenkung verwendet werden. In der Literatur wird ein Wert von X < 6 mm für einen gesunden Huf angegeben (Cripps 1999). Dieser Wert ist offensichtlich von der genauen Platzierung der Markierung am Kronrand abhängig. Leider ist die Vorgehensweise bei der Markierung uneinheitlich und Messungen untereinander daher kaum zu vergleichen. In der Praxis kann mit einem einmaligen Röntgen daher nur eine sehr drastische Hufbeinsenkung eindeutig erkannt werden. Eine Veränderung der Hufbeinposition (z. B. im Heilungsverlauf einer Rehe) kann nur dann vernünftig dokumentiert werden, wenn es mit der gleichen Methode aufgenommene Vergleichsbilder dieses Pferdes gibt.

Die Messung der Dicke der Hufwand Y hingegen ist in wesentlich geringerem Maße von der Vorgehensweise bei der Markierung des Hufs abhängig. Politt (Politt Jahr unb.) gibt als Referenz für gesunde mittelgroße Pferde (400 - 450 kg) ein Maß von 15 - 17 mm an. Um dieses Kriterium für verschiedene Rassen nutzen zu können, wird vorgeschlagen, die Hufwanddicke im Verhältnis zur Hufbeinlänge Z (Abb. 4, blau) zu betrachten. In diesem Fall soll für den gesunden Huf Y/Z ~ 25% gelten. Hintergrund dieser Überlegungen ist, dass sich bei einer Hufrehe durch die Zerstörung der Blättchenschicht das Hufbein von der Hufwand entfernt und somit die Hufwanddicke Y zunimmt. Auch kleine Veränderungen von wenigen mm sind hier bereits signifikant für ein Krankheitsgeschehen. Nachteil dieses Maßes ist, dass eine dicke, kräftige Hornwand bei gesunder Blättchenschicht fälschlicherweise als pathologisch eingeordnet wird, denn auf dem Röntgenbild sind Blättchenschicht und Hornwand nicht zu unterscheiden. Insgesamt scheint die Datenlage bezüglich der absoluten Werte von Y und Y/Z lückenhaft. Eine sichere Diagnose einer Veränderung der Hufbeinposition ist daher auch in diesem Fall nur mit Vergleichsbildern vom selben Pferd möglich. Falls man an einem einzelnen Röntgenbild eine mögliche Hufbeinsenkung beurteilen muss, sollte die am Huf selbst zu beobachtende Wandstärke mit in Betracht gezogen werden.

Ein ungeeignetes Kriterium zur Beurteilung der Stellung des Hufes ist schließlich das Ausmessen von Gelenkspaltenbreiten am Röntgenbild. Selbst minimale Lastveränderungen durch das Pferd verändern diese Maße so deutlich, dass ein Rückschluss auf die Korrektheit der Stellung oder Hufkorrektur unmöglich wird.

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Röntgenbild eines chronischen Rehepferdes (Maßstab unbekannt, Maße von Tierarzt eingezeichnet): Starke Hufbeinrotation, Abbau der Hufbeinspitze (Skispitze, gebogene Unterseite des Hufbeins), sehr dünne Sohle. Dieses Bild zeigt übrigens anschaulich, warum man keine Reißzwecke zur Markierung der Strahlspitze bei Rehepferden verwenden sollte. Ein auf die Sohle geklebtes Centstück eignet sich besser.

Literatur

R. A. Mansmann/K. E. vom Orde, Preventive Foot Care Programs. In: A. E. Floyd/R. A. Mansmann, Equine Podiatry (2007) 414 - 431.

B. Hampson, The Feral Horse Foot. The Australien Brumby Studies. In: P. Ramey, Care and Rehabilitation of the Equine Foot (2011) 36 - 57.

P. J. Cripps/R. A. Eustace, Radiological measurements from the feet of normal horses with relevance to laminitis. Equine Vet Journal 1999 Sep. 31(5), 427 - 432.

Ch. Politt, Laminitis Radiology. Online Publikation (Erscheinungsjahr unbekannt).

http://www.laminitisresearch.org/downloads/chrispollitt_8_Laminitis_Radiology.pdf (28.12.2014).

D. Taylor, Is the Hoof smart? Adaptability of the Equine Foot. Online Publikation. The Horse. Your guide to Equine Health Care (2014).

http://www.thehorse.com/videos/34609/is-the-hoof-smart-adaptability-of-the-equine-foot?utm_source=Newsletter&utm_medium=health-news&utm_campaign=09-30-2014

Bildnachweise

Alle Bilder: Tina Gottwald.