Innovativ - der neue EasyCare EasyShoe

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Wirklich überzeugende Innovationen sind auch im Hufbereich selten. Eine der letzten dieser Art war ganz klar der Duplo, und deshalb hat er sich als Alternative zum Eisenbeschlag behauptet.

Am 06.11.13 präsentierte Christoph Schork, USA, im Rahmen einer der Fortbildungen der „Hufe-im-Fokus-Gruppe“ in Bad Lauterberg-Bartolfelde die neueste Erfindung aus dem Hause EasyCare, den „EasyShoe“. EasyCare ist immer für ein paar Neuerungen gut, aber auch dieser Firma gelingt nicht jedes Jahr der große Wurf.

Ob der EasyShoe die Innovation des Jahres 2014 wird, wird sich noch herausstellen. Aber dieser Hufschutz hat zweifelsohne das Potential, die Hufwelt ein bisschen zu verändern.

Den Experten der Hufe-im-Fokus-Gruppe wurde das Privileg zuteil, einen kleinen Einblick in die Entwicklung eines solchen Produktes zu erhalten. Vor ihnen lagen nämlich ausschließlich Prototypen, die den Entwicklungsverlauf eindrucksvoll dokumentierten. Und da die Macher von EasyCare immer an Verbesserungen interessiert sind und nur zu gut wissen, dass in den USA erfolgreiche Produkte in Europa durchaus scheitern können, schrieb Christoph fleißig mit, als die Profis ihre Einschätzungen von sich gaben.

Da der Hufschmied und Distanzreiter Christoph Schork mit seinen 40 Distanzpferden zu den Premiumtestern von EasyCare zählt, konnte er auch Beschläge vorweisen, die rund 500 km auf verschiedenen Böden in allen Tempi unterm Pferd waren, und damit gab es schon mal erste Hinweise auf die Haltbarkeit als wichtigem Parameter.

Haltbarkeit

Die Sohle des EasyShoe ähnelt in Material und Aufbau den bekannten Hufschuhprodukten der Firma. Damit ist mit einer sehr guten Haltbarkeit zu rechnen, die im Schnitt über der des Duplos liegen dürfte. Das bestätigte auch der abgelaufene Schuh von Christoph, der mit rund 300 Wettkampfkilometern und entsprechenden Trainingszeiten noch sehr brauchbar aussah. Für einen Freizeitreiter hätten Profil und Materialzustand noch locker für ein Beschlagsintervall gereicht.

Profil

Auch das Profil ähnelt bekannten EasyCare Produkten und dürfte die üblichen Anforderungen an Griffigkeit und Stoßdämpfung voll erfüllen. Selbstverständlich hat auch der EasyShoe, wie alle Kunststoffbeschläge, seine Defizite auf rutschigen Böden. Die zu treffenden Maßnahmen gegen dieses Problem werden im Text weiter unten besprochen.

Aufbau

Bei diesem Punkt wird es wirklich innovativ, denn hier stecken die neuen Ideen.

Zwei Bauteile fallen sofort ins Auge: der flexible Steg und die großen seitlichen Laschen, die im 90°-Winkel zur Sohlenfläche trachtennah angebracht sind.

Die Funktion der Laschen ist sofort ersichtlich, wenn man weiß, dass es sich auch um einen neuen Klebebeschlag handelt. Diese Flächen sollen den EasyShoe, in der Regel mit 2-K-PU-Klebern, am Huf halten.

Der flexible Steg bedurfte der genaueren Betrachtung und Erklärung. Der Steg, richtige Größe des Beschlages vorausgesetzt, zieht den Beschlag eng an die Hufwand an, vorausgesetzt, man dehnt ihn vorher leicht auf. Dazu ist nicht viel Kraft nötig, denn mitgeliefert werden spezielle Steckverbindungen verschiedener Breite, die in einen Schacht des Steges eingeschoben werden. Der Bearbeiter wählt also eine zur Hufbreite passende Steckplatte, schiebt den EasyShoe auf den Huf und kann dann die Weiterverarbeitung beginnen.

Die Profis erkannten schnell die Genialität des Systems, weil es mit einer einfachen Konstruktion ein Fülle von Anforderungen des täglichen Alltags erfüllen kann.

  1. Die gute Anpassung an die richtige Hufbreite.

  2. Ein EasyShoe deckt mehrere Hufgrößen ab.

  3. Es braucht keine Unterscheidung in ovale und runde Hufform.

  4. Es sind verschiedene Stufen der Flexibilität möglich.

Besonders Punkt 4 bietet drei verschiedene Optionen. Die Steckplatte im Steg lässt sich nämlich nach der Montage des Beschlages am Huf wieder herausziehen. In diesem Zustand weist der Hufschutz seine maximale Flexibilität sowohl horizontal als auch vertikal auf. Wer an den sogenannten Hufmechanismus, sprich die horizontale Ausweitung des Hufes glaubt, wird begeistert sein. Aber auch Anhänger der Theorien von Prof. Bowker kommen nicht zu kurz. Für ihn ist die vertikale Beweglichkeit des Ballen-Trachtenbereichs besonders relevant. Auch die ist in diesem Bauzustand maximal. Wer den Stegeinsatz unter dem Strahl belässt, stabilisiert den Steg und bietet damit dem Huf mehr Unterstützung im Strahl- und Trachtenbereich.

Wem das alles noch zu instabil ist, dem stellt EasyCare eine EasyShoe -Version mit Stahleinlage zur Verfügung. Damit folgen die Entwickler der Idee des Hubert Frank. Auch diese stahlbewehrte EasyShoe -Version ist noch so flexibel, dass sie sich mit den Stegeinsätzen gut in der Breite anpassen lässt, bietet aber deutlich mehr Stabilität in der Fläche und im Trachten-/Ballenbereich; hier wieder mit und ohne Steckplattenstabilisierung. Diese differenzierten Stabilisierungsoptionen werden gute Hufbearbeiter im Pferdesport ebenso zu nutzen wissen wie im Bereich Rehabilitation.

Einige der Prototypen wiesen noch zwei Seiten- und einen Frontaufzug auf, die sich im Rahmen der Montage als durchaus hilfreich erwiesen. Will man keine Aufzüge, lassen sie sich problemlos abschneiden. So auch die Laschen, falls der Experte nicht kleben, sondern nageln will.

Die Sohlenfläche des EasyShoe weist kleinen Rinnen auf, denen man zuerst kaum Beachtung schenkt, aber auch sie erwiesen sich im Rahmen der Montage als sehr hilfreich.

Gewicht

Die große Stärke aller Kunststoffbeschläge ist das Gewicht. Der EasyShoe reiht sich da nahtlos in die Vielzahl der Leichtgewichte ein. Aufgrund seiner relativ großen Aufbauhöhe wird er zu den stabileren Kunststoffbeschlägen gehören, die sich wenig verbiegen. Wer auf eine stabilisierende Stahleinlage nicht verzichten mag, bezahlt das selbstverständlich mit einem deutlich höheren Gewicht. Leider wurden die Beschläge im Seminar nicht gewogen.

Zugang zur Sohle

Im Gegensatz zu den klassischen Klebeschuhen der Fa. EasyCare oder Renegade ist der Zugang beim EasyShoe zur Sohle gegeben. Das Einbringen von Sohlenpolstern wird problemlos sein, und Steine scheint er auch nicht einzusammeln, wie Christoph zu berichten wusste.

Montage

Kleben

Klebebeschläge gibt es schon lange, so richtig durchgesetzt haben sie sich aber in Deutschland nie. Sie blieben bis heute ein Nischenprodukt. Der EasyShoe hat vielleicht das Potential aus dieser Nische zumindest ein wenig herauszutreten, denn seine Anbringung ist deutlich leichter und deutlich weniger fehleranfällig als andere Systeme.

Im Gegensatz zu den bisherigen „Klebepantoffeln“ sind alle Klebebereiche beim EasyShoe gut zugänglich und bestens einsehbar. Verschiebt sich z.B. der Huf im Beschlag ist das sofort erkennbar, was bei den Glue-ons oft nicht der Fall war. Auch die Haftung des Klebers ist viel besser einschätzbar als bei der Mehrzahl der anderen Systeme.

Geklebt wird üblicherweise mit Vettec Adhere oder Vettec Soleguard.

Dabei überrascht, dass der Tragrand als Klebefläche mitgenutzt wird. Vettec Adhere wird sehr hart und kann unter der Sohle Druck erzeugen. Aber hier kommen die oben beschriebenen Rinnen zum Tragen. Was zu viel ist, drückt sich nach unten über die Rinnen weg und klebt dann ein „Stockwerk“ tiefer genau dort wo es soll. Wer also nicht allzu großzügig mit dem ohnehin teuren Kleber ist, braucht vor Sohlendruck keine Angst haben.

Neben dem Tragrand dienen selbstverständlich die großen seitlichen Laschen als Kontaktzone. Sie weisen Löcher auf, in die sich der Kleber hineinsetzt bzw. sogar von außen eingebracht werden kann. Das dürfte die Haftung des Konstruktes noch erhöhen.

Und wer auf Nummer sich gehen will nutzt zusätzlich noch die Aufzüge als Klebepunkte.

Die Aufzüge haben zudem den Vorteil, dass sich der Beschlag beim Absetzen des Hufes nicht so leicht verschieben kann. Zwischendurch muss man den Huf einmal absetzen, damit sich der Kleber unter der Lauffläche zusammendrückt und überschüssiges Material rausgequetscht wird.

„Gut geklebt hält besser als gut genagelt“, so die Erfahrung von Profis, die sich mit der Sache intensiv beschäftigt haben. Ob das beim EasyShoe so ist wird sich zeigen. Aber auch wenn die Klebeflächen deutlich kleiner sind als bei klassischen Glue-ons machte das alles einen verlässlichen Eindruck.

 

Nageln

Ja, man kann den EasyShoe auch nageln, und Christoph erwartet, dass in den USA der EasyShoe mehr mit Nägeln angebracht wird als geklebt. In Deutschland dürfte das Verhältnis deutlich anders liegen. Wie geschrieben, lagen nur Prototypen vor, so dass vielleicht noch Änderungen kommen. Um den EasyShoe in Deutschland als nagelbaren Beschlag zu verkaufen, müsste eine größere Änderung erfolgen.

Im Moment wird von EasyCare erwartet, dass der Hufschmied oder Hufpfleger den Nagel einfach durch den Randbereich der Sohle des EasyShoes in die weiße Linie treibt, also ohne Vorbohren. Dieses „Blindnageln“ dürfte nicht nach dem Geschmack deutscher Hufschmiede sein, und Hufpfleger werden nicht einmal daran denken. Da sind deutsche Kunden und Hufprofis denn doch von der genialen Nagelsystematik des Duplos verwöhnt.

Aber wer sich traut, der hat beim EasyShoe sogar die die Option auf beide Welten an einem Huf, also erst kleben und dann nochmals durch ein paar Nägel alles sichern. Das dürfte den Beschlag nahezu unverlierbar machen.

 

Stollen

An dieser Stelle enttäuscht der EasyShoe etwas. Die Prototypen boten keine Aufnahmesysteme für Stollen, nicht einmal ein so reduziertes System wie das des Duplos. So bleiben zur Rutschhemmung eigentlich nur die Motorradspikes, die die Firmen EasyCare und Frank (Duplo) bzw. der Motorradhandel anbieten. Sicherlich ausreichend für viele rutschige Situationen, aber selbstverständlich nicht ausreichend für Springen und Vielseitigkeit. Es wäre den Spring-, Vielseitigkeits- und Fahrpferden zu wünschen, dass auch sie mal in den Genuss der vielen Vorteile von Kunststoffbeschlägen kommen. Ohne leistungsfähige Stollensysteme wird das aber nicht passieren.

Vielleicht tut sich da noch etwas, denn in einem der Prototypen mit Stahleinlage waren Löcher, die schon mal in die richtige Richtung wiesen.

Zusammenfassung

Ganz klar liegen die Pluspunkte des EasyShoe beim Gewicht, der exzellenten Stoßdämpfung und dem nachweislich sehr haltbaren Material.

Aber auch die Montage per Kleber überzeugte. Mit etwas Übung und der üblichen Sorgfalt dürfte zum ersten Mal ein relativ schnelles und nicht so anfälliges Klebesystem geschaffen worden sein.

Geradezu genial, weil total einfach, ist das Stegsystem zu nennen, das sowohl bei der Anpassung an die Hufform als auch bei der Variabilität der Stabilität überzeugte.

Auch wenn noch nicht geklärt ist welche Prototypen in Serie gehen ist schon jetzt absehbar, dass es ein variantenreiches System sein wird. Allein die Option, es mit und ohne Stahleinlage anzubieten, wird den Nutzer erfreuen.

Das Fehlen eines Stollensystems schmerzt. Es ist natürlich leicht, so etwas zu fordern. Die technische Umsetzung der Forderung ist nicht so einfach, mal ganz abgesehen von dem Risiko der Finanzierung. Aber gerade weil es ein so hoffnungsvolles System ist würde man ihm wünschen, dass es sich im gesamten Reitsport durchsetzt.

Mit der Option, das System auch nageln zu können, sollte EasyCare in Deutschland lieber nicht werben. Das wäre wohl eher geschäftsschädigend. Da sind deutsche Schmiede und Hufpfleger vom genialen Duplosystem mit den Langlöchern zu verwöhnt.

So bleibt das Fazit

Mit einem guten Stollensystem könnte es bahnbrechend sein. Mit einer besseren Nagelsystematik noch ein wenig besser. Aber auch ohne das hat es die Chance, das erste wirklich überzeugende Klebesystem genannt zu werden.

Ach ja, einen Preis gibt es noch nicht. Der könnte natürlich alle Prognosen zunichte machen.

 

Fortsetzung: Die EasyShoes sind da!