Ein Hufkurs und seine Folgen…

Mitte Oktober trafen wir - eine bunte Gruppe mehr oder weniger weit gereister wissbegieriger Pferdebesitzer – uns zum zweiten Mal zu einem Hufkurs mit Pat Nastoll im mittelhessischen Seenbrücke. Bis auf 2 Teilnehmerinnen hatten wir anderen schon den letzten Kurs im vergangenen Jahr besucht und waren bereits hufiziert, die „Neulinge“ sind es spätestens seit dem Kurs dann sicher auch.

Nach einer kurzen Theorie-Vorbesprechung ging es auch direkt an die Pferde: Beurteilung des gesamten Pferdes, der Hufe von außen und unten und beim Vorführen im Schritt und Trab auf Asphalt. Es wurde gefachsimpelt über Zehen- oder Trachtenlandung, hebelnde Wände, übergelegte Eckstreben, lange Trachten und und und.

Für mich wurde es dann ernst, denn ich wollte das Beschlagen lernen. Ich bearbeite meine Pferde seit Anfang an (1993) schon selber und bin im Grunde meines Herzens ein ziemlich militanter Beschlagsgegner. Mein jüngster Wallach (9 jähriger Rheinisch Deutscher Kaltblüter) scheint mich aber eines Besseren belehren zu wollen, trotz optisch sehr guter Hufsituation läuft er stets mehr oder weniger fühlig (was ggf. stoffwechselbedingt sein könnte, da er homozygoter PSSM-Träger ist). Also soll es wohl so sein, ich muß das Beschlagen lernen, damit ich ausprobieren kann, ob man ihm mit einem Beschlag mehr Komfort verschaffen kann.

Pat erklärt, wie die Hufe für den Beschlag zubereitet werden müssen und ich schreite zur Tat, darin habe ich Übung, das ist für mich ja Alltag. Danach werden die Beschläge (vorne werden es Trotters, hinten bekommt er Duplos mit Seitenkappen) an den Huf angepasst und in den Beschlag Löcher für die Nägel vorgebohrt. Jetzt muß ich üben, mit dem Hufnagel die weiße Linie blind zu erspüren, was auch gar nicht so schwer ist wie gedacht! Dann probieren wir noch aus, wie mein Pferd reagiert, wenn man mit dem Hammer auf den aufgelegten Beschlag schlägt und schon geht’s los: Am ersten Huf schlägt Pat noch die ersten beiden Nägel ein, damit der Beschlag erstmal fixiert ist, dann bin ich dran. Nagel ins Loch, weiße Linie erspüren, Nagel rein hämmern, schnell die Spitze umlegen und weiter mit den Nächsten. Gar nicht so schwer – um nicht zu sagen, viel einfacher, als ich es mir vorgestellt hatte. Das Abknipsen der Nagelspitzen, Nietbett bereiten und Umnieten ist schnell gemacht – fertig ist der Beschlag und ich auch, denn anstrengend ist es irgendwie schon, wenn man ohne Aufhalter zum ersten Mal ein Kaltblut beschlägt…
Dennoch schaffe ich es, meinen Wallach mit 4 Beschlägen zu versehen und bin glücklich, daß das Nageln für mich nun viel von seinem Schrecken verloren hat. Vielen Dank dafür an Pat!
Auch mein Wallach scheint glücklich, denn er läuft mit dem Beschlag sehr locker und unheimlich raumgreifend…

Die restlichen Pferde wurden barhuf bearbeitet und es war wie immer sehr interessant und lehrreich, die unterschiedlichen Pferde zu beurteilen und dann entsprechend zu bearbeiten. Wir konnte uns eine recht große Bandbreite unterschiedlicher Hufe anschauen und beurteilen. Vom Jährling über zeitlebens barhuf laufende Pferde in den besten Jahren bis zum ehemals beschlagenen Pferd in der aktuellen Umstellungsphase. Die meisten Teilnehmer hatten schon Erfahrung in der Hufbearbeitung, einige hatten aber beim Kurs zum ersten Mal eine Raspel oder ein Messer in der Hand.

Unsere Gastgeber Andrea und Carlos sorgten Bestens für die nötige Infrastruktur für so einen Kurs und Carlos bekochte uns so gut, daß das Arbeiten nach der Mittagspause doch sehr schwer fiel.

Einige Impressionen vom Kurs [Fotos: C. Austen (7) und T. Heep (4)]:

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Man sieht dem Bild nicht an, daß ich das zum ersten Mal mache.

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Der letzte Nagel

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Das Ergebnis

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Meine Wenigkeit, Danny und die Kursleiterin Pat nach dem ersten aufgenagelten Beschlag

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Für hinten hatte ich passende Duplos dabei, mittlerweile gibt es noch größere, die ich beim nächsten Beschlag auch vorn verwenden kann.

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Die Hufsituation eines der Teilnehmerpferde wurde vor und nach der Bearbeitung dokumentiert.

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Fribi-Huf VOR der Bearbeitung (vorn links von lateral)

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Fribi-Huf VOR der Bearbeitung (vorn links)

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Fribi-Huf NACH der Bearbeitung (vorn links von lateral)

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Fribi-Huf NACH der Bearbeitung (vorn links)

Bericht: Tina Heep